Nasenpads wechseln – Typen, Aufnahmen und Kaufkriterien für Optiker
Nasenpads in der Optiker-Werkstatt – Typen, Wechsel und gezielter Einkauf
Nasenpads gehören zu den am häufigsten gewechselten Brillenteilen. Ein vergilbtes, verhärtetes oder gerissenes Nasenpad verändert den Sitz der Brille messbar – und hinterlässt beim Kunden einen Eindruck, der nichts mit der Qualität der Fassung zu tun hat. Wer Nasenpads systematisch bevorratet und schnell wechseln kann, spart Suchzeit und liefert Service, der auffällt.
Welche Nasenpads braucht eine Optiker-Werkstatt – und wie unterscheiden sich Silikon, Acetat und Titan in der Praxis?
Der Ratgeber erklärt die drei Hauptmaterialien, die gängigen Aufnahme-Systeme, eine klare Wechselanleitung und worauf Sie beim B2B-Einkauf achten sollten.
Auf einen Blick
- ✓Silikon-Nasenpads sind der Standard für Metallgestelle: weich, hautverträglich, in Schraub- und Steckvariante, in Basisbreiten von 11 bis 20 mm erhältlich – ein sortiertes Lager deckt 80 Prozent aller Reparaturfälle ab.
- ✓Steck-Nasenpads lassen sich ohne Werkzeug tauschen, Schraub-Nasenpads sitzen stabiler und eignen sich für Kunden mit höherem Schweiß- und Belastungsprofil.
- ✓Beim B2B-Einkauf zählen geprüfte Materialien, ausreichende Gebindegrößen und ein vollständiges Größensortiment – minderwertige Massenware kann Weichmacher enthalten, die zu Hautreizungen und Reklamationen führen.
Nasenpads-Typen: Silikon, Acetat und Titan im Vergleich
Drei Materialien dominieren den Optiker-Markt. Jedes hat ein klares Einsatzprofil. Die Wahl hängt von der Fassung, dem Kundenprofil und der Art der Aufnahme ab.
Silikon-Nasenpads
Silikon ist das meistverwendete Material für Metallgestelle und Titan-Fassungen. Silikon-Nasenpads sind weich, passen sich der Nasengeometrie an und sind für die meisten Kunden angenehm im Tragekomfort. Sie sind UV-stabil, lassen sich reinigen und behalten ihre Form über Monate.
Für die Werkstatt bedeutet das: Silikon-Nasenpads decken den Großteil der täglichen Reparaturfälle ab. Sie sind in Schraub- und Steckvariante erhältlich, transparent, schwarz oder hautfarben eingefärbt, und in Basisbreiten von 11 bis 20 mm lieferbar. Ein vollständiges Silikon-Sortiment in der Werkstatt reduziert Suchzeiten deutlich.
Qualitätsunterschiede existieren: Nasenpads aus medizinischem Silikon sind weichmacherfrei und hautverträglich. Unkontrollierte Importware dagegen kann Weichmacher enthalten, die Hautrötungen auslösen. Für Optiker ist das nicht nur eine Komfortfrage, sondern eine Haftungsfrage gegenüber dem Kunden.
Acetat-Nasenteile
Acetat-Nasenteile sind form-gepresste Bauteile, die direkt in die Kunststofffassung eingearbeitet oder aufgeklebt werden. Sie gehören nicht zur Verschleiß-Kategorie wie Silikon-Pads, werden aber bei Brüchen, Verfärbungen oder bei der Aufarbeitung von Vintage-Gestellen benötigt.
In der täglichen Werkstattpraxis spielen Acetat-Nasenteile eine kleinere Rolle als Silikon-Nasenpads. Ihr Austausch ist aufwendiger und erfordert Wärmebehandlung oder Klebung, kein schneller Wechsel wie bei Silikon.
Titan-Nasenpads
Titan-Nasenpads sind die leichteste und allergenärmste Variante. Sie bestehen aus reinem Titan oder einer Titan-Legierung und eignen sich für Kunden mit Nickel-Allergie oder empfindlicher Haut. In hochwertigen Titangestellen von Herstellern wie Andy Wolf oder Bellinger werden Titan-Aufnahmen oft serienmäßig verbaut.
Für die Werkstatt: Titan-Nasenpads halten Sie als Ergänzung, nicht als Hauptbestand. Der Bedarf ist gezielt. Trägt ein Kunde ein Titan-Gestell und gibt eine Allergie an, muss das passende Teil sofort verfügbar sein.
Aufnahme-Systeme: Schraub, Steck und Geometrien im Detail
Ob ein Nasenpad sitzt oder wackelt, hängt nicht nur vom Material ab, sondern vom Aufnahme-System. Zwei Grundtypen sind verbreitet; daneben gibt es Unterschiede in Geometrie und Größe, die den Austausch beeinflussen.
Schraub-Nasenpads
Schraub-Nasenpads werden mit einer Kleinst-Schraube (M0.8 bis M1.0) an der Nasenpad-Aufnahme befestigt. Sie sitzen fester als Steck-Nasenpads und eignen sich für Kunden mit aktivem Lebensstil, Brillen die viel abgenommen werden, oder Gestelle die häufig gereinigt werden.
Für den Werkstattalltag bedeutet Schraub-Montage: Sie brauchen ein passendes Schraubendreher-Set mit Klingen in M0.8 und M1.0, ausreichend Ersatzschrauben im Vorrat, und eine Ankörnzange um die Nasenpad-Aufnahme beim Anziehen zu fixieren. Die Schraube zieht sich leicht schief, wenn die Aufnahme nicht gehalten wird; das verbiegt den Steg.
Steck-Nasenpads
Steck-Nasenpads (auch Push-in-Pads oder Snap-in-Pads) werden ohne Schraube in die Aufnahme gedrückt. Sie rasten in einer runden oder ovaloid geformten Buchse ein. Der Vorteil: schneller Wechsel ohne Werkzeug, bei Bedarf auch für den Kunden selbst möglich.
Der Nachteil: Steck-Nasenpads sitzen weniger fest als Schraub-Pads. Bei Kunden mit starkem Schwitzen oder bei Fassungen mit leicht verschlissenen Aufnahmen neigen sie zum Lockern. In diesen Fällen sollten Sie Schraub-Pads empfehlen oder die Aufnahme prüfen.
Aufnahme-Geometrien: rund und ovaloid
Nasenpad-Aufnahmen kommen in zwei Grundgeometrien: rund und ovaloid (oval). Runde Aufnahmen drehen sich leichter – bei Steck-Nasenpads ein Nachteil, weil der Pad sich dann verschiebt. Ovaloid-Aufnahmen sperren das Verdrehen baubedingt und finden sich in vielen modernen Metallgestellen.
Vor der Bestellung prüfen Sie immer die Aufnahme-Geometrie der Fassung, die repariert werden soll. Runde und ovaloid-Pads sind nicht austauschbar.
Größen: Basisbreite 11 bis 20 mm
Die Basisbreite des Nasen-Pads ist die Breite der Auflagefläche. Gängige Maße im Optiker-Sortiment: 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20 mm. Kleinere Fassungen und Kinderbrillen brauchen Pads unter 13 mm, Standard-Erwachsenen-Fassungen 14 bis 16 mm, breite Gestelle und Vollrand-Modelle bis 18 oder 20 mm.
Für eine vollständige Werkstatt-Bevorratung empfiehlt sich ein Sortiment mit mindestens den Größen 12, 13, 14, 15 und 16 mm in Silikon-Schraub und Silikon-Steck. Diese fünf Maße decken den Großteil aller Reparaturfälle ab.
Nasenpads wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Wechseln von Nasenpads dauert in der geübten Werkstatt zwei bis vier Minuten. Wer die Schritte kennt und das richtige Werkzeug bereit hat, vermeidet die häufigsten Fehler.
Benötigtes Werkzeug
Für Schraub-Nasenpads: Uhrmacherschraubendreher in M0.8 oder M1.0 (je nach Schraube), Ankörnzange zum Halten der Aufnahme, Ersatz-Schraube gleicher Größe, neues Nasenpad in passender Basisbreite und Aufnahme-Geometrie.
Für Steck-Nasenpads: ein flaches Werkzeug zum Hebeln (Kunststoff-Spatel oder schmale Zangenfläche, kein Metallspatz direkt auf die Fassung), neues Nasenpad in passender Geometrie.
Schritt 1: Alten Nasenpad entfernen
Bei Schraub-Pads: Schraube herausdrehen, Pad von der Aufnahme abnehmen. Dabei Aufnahme mit der Ankörnzange fixieren: der Steg verbiegt sich bei zu viel Gegendruck. Schraube sichern: Sie ist klein und wird leicht verloren.
Bei Steck-Pads: Pad mit dem Spatel aus der Buchse hebeln. Direkt an der Basis des Pads ansetzen, nicht am Pad-Körper. Bei gummihaft sitzenden Pads kann leichtes Erwärmen (Warmwasser, 40 Grad) das Ablösen erleichtern.
Schritt 2: Aufnahme prüfen
Bevor das neue Pad sitzt: Aufnahme auf Verbiegungen, Risse oder Verschleiß prüfen. Bei Steck-Aufnahmen kontrollieren, ob die Buchse noch rund ist. Ovale oder ausgeleierte Buchsen halten keinen Steck-Pad mehr zuverlässig. In diesem Fall auf Schraub-Pad wechseln oder die Aufnahme ersetzen.
Bei Schraub-Aufnahmen: Gewinde auf Ausriss prüfen. Ein überdrehtes oder angerissenes Gewinde lässt sich mit einem Gewindeschneider in der nächsten Größe retten. Funktioniert das nicht, muss die Aufnahme ersetzt werden.
Schritt 3: Neuen Nasenpad einsetzen
Bei Schraub-Pads: Pad auf die Aufnahme setzen, Schraube mit dem Schraubendreher eindrehen. Nicht überdrehen: das Gewinde in der Nasenpad-Aufnahme ist empfindlich. Anziehen bis der Pad fest sitzt, aber noch leicht beweglich ist (minimaler Spielraum für die Nasen-Anpassung). Danach Pad-Position kontrollieren und ggf. ausrichten.
Bei Steck-Pads: Pad in die Buchse drücken, bis er einrastet. Kurz auf festen Sitz prüfen: leicht ziehen. Kommt er nicht heraus, sitzt er korrekt.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Falsche Größe eingesetzt: Nasenpads die zu schmal sind, drücken auf einen zu kleinen Bereich. Zu breite Pads verrutschen oder sitzen auf der Fassung statt auf der Nase. Basisbreite immer vor dem Einsetzen prüfen.
Gewinde überdrehen: Besonders bei Titan-Aufnahmen. Schrauben mit Fingerspitzengefühl anziehen, kein Krafteinsatz. Für empfindliche Gestelle empfiehlt sich ein Drehmoment-Schraubendreher.
Aufnahme nicht fixiert: Ohne Ankörnzange knickt der Steg beim Anziehen seitlich weg, bei Titangestellen ein häufiger Bruch-Auslöser.
Kaufkriterien und Sortimentsaufbau für B2B-Einkäufer
Wer Nasenpads für eine Werkstatt einkauft, denkt anders als ein Endkunde. Der Einzelpreis ist eben nicht das Kriterium – gefragt sind Mengen, geprüfte Materialqualität, Lieferverlässlichkeit und ein Sortiment, das keine Lücken lässt.
Materialqualität prüfen
Nasenpads aus medizinischem Silikon sind weichmacherfrei. Für Optiker ist das keine Komfort-Option, sondern Pflicht: Ein Kunde mit Kontakt-Allergie auf Weichmacher-Silikon wird reklamieren, und im schlimmsten Fall lassen sich die Hautreizungen auf die verwendeten Nasenpads zurückverfolgen. Achten Sie bei B2B-Lieferanten auf Angaben zur Materialzusammensetzung oder Zertifizierung (EN ISO 10993 für Medizinprodukte-Kontaktmaterialien als Orientierung).
Gebindegrößen und Vorratshaltung
Nasenpads werden in der Werkstatt täglich verbraucht. Einzeln zu kaufen ist aufwendig und teuer. Empfehlenswert sind Boxen mit 50 bis 100 Einheiten je Größe und Aufnahme-Typ. Für eine Werkstatt mit zwei bis drei Reparateuren pro Tag sind folgende Mindestmengen sinnvoll: je 50 Stück in den Größen 12, 13, 14, 15 und 16 mm für Silikon-Schraub und Silikon-Steck.
Vollständiges Sortiment als Arbeitsgrundlage
Ein halbvollständiges Sortiment ist kein halber Vorteil: Es bedeutet, dass Sie für einen Teil der Reparaturen keine passenden Teile haben. Das kostet Sie entweder einen Nachbestellungs-Auftrag oder den Kunden. Ein vollständiges Nasenpads-Sortiment von 11 bis 20 mm in beiden Aufnahme-Typen und den drei Hauptmaterialien ist die Basis, auf der eine Werkstatt zuverlässig arbeitet.
Lieferverlässlichkeit und Bezugsquelle
Ein Lieferant der kurzfristig liefert und ein breites Sortiment hält, schützt Sie vor dem häufigsten Werkstatt-Engpass: das passende Teil ist aus und der Kunde wartet. Im Marle-Shop finden Optiker-Betriebe Nasenpads in verschiedenen Materialien, Größen und Aufnahme-Typen – mit dem Qualitätsanspruch, den Meisteroptiker für ihre eigene Werkstatt voraussetzen.
Häufige Fragen zu Nasenpads für Optiker
Die Basisbreite des Nasenpads richtet sich nach der Fassung: Kinderbrillen und schmale Damen-Gestelle benötigen 11 bis 13 mm, Standard-Erwachsenen-Fassungen 14 bis 16 mm, breite Vollrand-Modelle 17 bis 20 mm. Im Zweifel das alte Nasenpad ausmessen oder die Aufnahme mit einer Schieblehre kontrollieren. Eine falsche Größe verändert den Brillensitz messbar und führt schnell zu Reklamationen.
Als Faustregel gilt: Nasenpads aus Silikon sollten alle 12 bis 18 Monate oder bei sichtbarer Verfärbung, Verhärtung oder Rissbildung gewechselt werden. Bei Kunden mit starkem Schwitzen oder häufigem Kontakt mit Kosmetika kann der Verschleiß schneller eintreten. Bei jeder Werkstatt-Inspektion lohnt sich eine kurze Sichtkontrolle – das kostet wenig Zeit und verhindert, dass der Kunde erst kommt, wenn der Nasenpad schon von der Fassung gefallen ist.
Schraub-Nasenpads werden mit einer Kleinst-Schraube an der Aufnahme befestigt und sitzen stabiler – geeignet für aktive Kunden, sportliche Fassungen und Gestelle die häufig ab- und aufgesetzt werden. Steck-Nasenpads rasten ohne Schraube in die Aufnahme ein und lassen sich schneller wechseln, auch ohne Werkzeug. Nachteil: Sie sitzen weniger fest, besonders wenn die Aufnahme leicht ausgeleiert ist. Runde Aufnahmen drehen sich leichter als ovaloid-Aufnahmen, die das Verdrehen des Pads baubedingt verhindern.
Weiteres B2B-Sortiment für Optiker
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